Die Grablegungen im Dom zu Berlin – eine komplizierte Geschichte

Nach den umfangreichen Notizen von Harald Zimmermann

Die Geschichte der Grablegungen ist verwirrend! Gab es doch im Laufe der Zeit verschiedene Örtlichkeiten, die als „Dom“ bezeichnet wurden und jeweils für Grablegungen vorgesehen waren. Auf Grund damaliger Vorkommnisse ließ sich das aber nicht – wie an sich vorgesehen – realisieren, so daß andere Lösungen gefunden werden mußten. Das ging so weit, daß man die Särge in andere Grüfte verlegte. Da wundert es nicht, wenn sich nun nachweisen läßt, daß im Laufe der Zeit 12 Särge verlorengingen.

Trotz mehrfacher Suchaktionen (schon seit 1608) ließ sich deren Verbleib nicht klären. Ein Vergleich von Sargverzeichnissen [1] der verschiedenen Grüfte und der genealogischen Aufstellung der Sterbefälle [2] zeigt, daß wirklich 12 Särge fehlen. Als Schlußfolgerung ergab sich, daß die fehlenden Särge in die von Joachim II. angelegte Gruft in der Erasmuskapelle gebracht worden waren.

Bei den Suchaktionen sorgten die Berichte „über den Dom“ immer wieder zu Irritationen und Mißverständnissen: Man vergaß dabei, daß zunächst 70 Jahre lang nur die Erasmuskapelle als „Dom“ existierte und bezog die betreffenden Hinweise, z.B. in der Genealogieliste [2], nicht auf die Erasmuskapelle, sondern fälschlicher Weise auf den erst 1536 geweihten „Alten Berliner Dom“!

Vorwort

Als Grundlage für diesen Beitrag dienten die gründlich erarbeiteten Darstellungen von A. Geyer [Anm. 3, Text und Bildteil] und sein Datenmaterial, das sich als äußerst zuverlässig herausstellte, was sich z. B. bei den Grabungen am Alten Berliner Dom (2008) zeigte.

So fand A. Geyer bei Grabungen in der Erasmuskapelle [3], deren Fußboden zu seiner Zeit bei 36,5 mNN lag, den Fußboden z.Zt. Joachims II. in 1,73 m Tiefe (34,8 mNN). Er bemerkte noch, daß der Boden der Erasmuskapelle z. Zt. Friedrichs II. 1,73 m tiefer bei 33,03 mNN lag (Abb. 3). Insgesamt entsprechen die Schichtungen weitgehend den Höhenlagen im Alten Berliner Dom!

Noch eine Bemerkung zu den Angaben der Höhenlagen (in m über Normalnull). Es handelt sich um gerundete Daten, die sinnvoller Weise von den Daten in Preußischem Zoll abgeleitet sind: 1 Zoll = 0,02615445808 m . Da die Bausubstanz auf Zolldaten basiert, empfielt sich bei genauen Berechnungen die Verwendung von Zolldaten, um ein „falsches Bild“ zu vermeiden.

Um die Menge der angegebenen Daten überschaubar zu machen, wird nur eine Auswahl des von Harald Zimmermann detailliert durchgerechneten Materials benutzt. Auffällig waren die wiederholt auftauchenden Maße wie: 4,31 m (165″), 1,73 m (66″), 0,706 m (27″), o,431 m (16,5″), was zu einer Vereinheitlichung der Architektur (siehe auch die Zitadelle in Spandau) geführt hatte. Später wurden die historisch gewachsenen Gebäudestrukturen weiterhin gepflegt und die Höhenlagen beachtet! Allgemein arbeitete man bis zu einer Tiefe von 32,60 mNN (1246,5″).

Die Materie ist sehr vielfältig. Daher empfiehlt es sich, tiefer in die geschichtliche Entwicklung einzudringen, um ein besseres Verständnis zu erlangen. So sollte man sich dringend Klarheit über die Situation des Geländes und über die Wasserstände der Spree verschaffen. Man kann es kaum glauben, aber es lassen sich genaue Angaben über die damalige Situation herausarbeiten [3].

So lag das Berliner Schloß, damals in Cölln gelegen, im Bereich der heutigen Unterspree. Sie wird z.Zt. auf einem Pegel von etwa 30,7 mNN gehalten. Der Spreepegel der damaligen Zeit lag aber bei etwa 30,0 mNN bis 30,5 mNN und stieg bei Überflutungen auf 32,2 mNN [4], selten noch 0,5 m höher. Das bestätigen indirekt die Befunde der Archäologen, die in Berlin nachgewiesen haben, daß die Keller der Kaufleute nur bis zu einer Tiefe von 32,4 mNN gingen [4]. Mit Sicherheit lagen sie also oberhalb des Grundwassers.

Im Alten Berliner Dom ging man seit Kurfürst Joachim II. beim Anlegen von Grüften auf eine Tiefe von 32,60 mNN, um sich gegen Hochwassereinflüsse zu wappnen. Da auch der Grüne Hut ebenfalls auf einem Grund von 32,60 mNN stand, kann dieses Niveau als „Grundebene“ angenommen werden. So hat Friedrich II., ausgehend von der „Grundebene“ von 32,60 mNN, einerseits mit einer „Aufschüttung“ von o,431 m ein Niveau von 33,03 mNN [5] geschaffen, wie das auch die Bodenhöhe der damaligen Erasmuskapelle zeigt und andererseits mit einem 2,15 m (82,5″) in die Tiefe gehenden Findlingsmauerwerk ein weitläufiges Fundament angelegt.

Zur Geschichte der Grablegungen

Kurfürst Friedrich II. (mit dem Eisenzahn) soll die Schloßkapelle [6], die später – mit Zustimmung des Papstes – auch als Pfarrkirche und Taufkapelle genutzt wurde, „für sich und die Seinen“ als Erbbegräbnis bestimmt haben. Da der Boden der Kapelle bei 33,03 mNN lag, dürfte sich allerdings bald herausgestellt haben, daß sich eine Gruft hier nicht realisieren ließ, da sie praktisch im Grundwasser gelegen hätte.

Da Friedrich II. den Heiligen Erasmus verehrte, wurde die Schloßkapelle als Erasmus Kapelle geweiht. Durch das ernannte Domkapitel (1465), durch Schenkungen und üppige Ausstattungen wurde sie stark aufgewertet und zu einer besonderen kirchlichen Institution gemacht. In den Urkunden nannte man sie nur noch „Dom“, was später immer wieder zu Verwechslungen mit dem „Alten Berliner Dom“ geführt hat.

Die Erasmuskapelle [21] war von Anbeginn ein besonderer, der heiligste Ort überhaupt zur Verehrung der Väter. Ein Zeichen für die Besonderheit dieses Ortes ist auch, daß man die Verstorbenen (bis 1713) hier aufgebahrt hat (Abb.1) und Joachim II. die Decke mit beeindruckenden Schlingrippengewölben ausgestattet hat [3 / Abb. 42 bis 45, siehe auch Bildmaterial im Internet].


Abb.1 König Friedrich I.: Trauergerüst in der Berliner Schloßkapelle. Entwurf Eosander, Galerie Himmel,Dresden. Die beiden schlanken Säulen beiderseits der Treppe gehören zu den „12 Säulen der Erasmuskapelle“

Die erste Grablegung
1476: Die Verwirrung war groß: Während der letzten Vorbereitungen für die Hochzeit von Johann Cicero verstarb Katharina v. Sachsen (23 . Aug. 1476), der Gemahlin von Friedrich II. . Da keine Möglichkeit für eine Grablegung vorhanden war, entschied man sich in aller Eile, zum Kloster Lehnin auszuweichen. Joachim I. machte später Lehnin (im Jahre 1515) zum Beizusetzungsort. Das hatte eine gewisse Logik, denn dort soll sich die Grablege der Markgrafen befunden haben [7]. So kam Katharina nach Lehnin [8]. Weitere vier Grablegungen erfolgten dort. Darunter Johann Cicero und Joachim I. Nestor.

Grundlegende Veränderung durch Joachim II.
Im Rahmen seiner umfangreichen Umbaumaßnahmen wurde auch das äußere Erscheinungsbild der Erasmuskapelle neu gestaltet: Die Apsis wurde gerundet und die südliche Wand des Chorbereichs versetzt (Abb. 2).


Abb. 2: Auf dem angehobenen Kapellenboden wurden 12 Säulen aufgerichtet. Darunter befand sich der eingegrenzte Gruftbereich. Als Bildgrundlage diente die Vorlage von A. Geyer [3, Bild 47]

Der Innenbereich wurde ebenfalls umgestaltet: Joachim II. ließ nun doch eine Gruft anlegen (45,58 m2 [18]), so wie es sich Friedrich II. gewünscht hatte. Offenbar wollte Joachim II. eine Gruft für die in Lehnin beigesetzten „Väter“ zur Umbettung herrichten, damit er, wenn er hier beigesetzt würde, in deren Nähe wäre (Abb. 4)!

Um die Grundwasserproblematik zu umgehen, ließ er – angepaßt an die von ihm „aufgehöhten “ Niveaus von Schloßplatz, Dom und Schloßhof – den Fußboden der Erasmuskapelle deutlich anheben und zwar auf 34,76 mNN (1329″), was A. Geyer bei seinen Nachgrabungen [9] herausfand. Die Bodenanhebung geschah durch den Aufbau von Tonnengewölben (Abb. 3), die er mit einem 0,706 m starken Ziegelmauerwerk abdeckte, was die bauliche Stabilität garantierte. Die Gewölbehöhe betrug 1,02 m (39″).

Bei der Innengestaltung spielte die Zahl „12“, die Zahl der Apostel, eine wichtige Rolle: 12 Säulen wurden auf dem angehobenen Boden (Abb. 2) errichtet. In „bedeutender“ Weise bilden sechs Säulen davon ein „V“.


Abb. 3: Prinzipdarstellung von Schnitt A/B. Die Särge wurden auf den einstigen Kapellenboden (Friedrich II.) gestellt. Mithilfe der Gruftbögen legte Joachim II. einen neuen, und damit angehobenen Kapellenboden an, auf den er die 12 Säulen stellte. Die beiden Hauptsäulen stützten das umfangreiche Schlingrippengewölbe und die Emporen [23]: Das Erdgeschoß von Friedrich II. wurde unter Joachim II. zum Kellergeschoß.

Durch die „Unterkellerung“, die eindeutig belegt [10] ist, war nun eigentlich reichlich Platz für eine große Gruft. Dennoch wurde eine gezielte Begrenzung der Gruftgröße vorgegeben, so daß nur 12 Särge untergebracht werden konnten (Abb. 2 + 4).

Weitere Hinweise zur „Unterkellerung“ liefert ein kleines Gemälde (Abb.5).


Abb. 4: Hinweise zur Gruftbelegung: In die 5-er Reihe kamen 4 Särge der aus Lehnin Umgebetten, in die 4-er Reihe Joachim II. mit seinen Gemahlinnen und Sohn (Abb. 3) und in die 3-er Reihe wurde Sabine, 2. Gemahlin von Johann Georg, auf den letzten Platz untergebracht. Genauere Angaben zur wahrscheinlichen Belegung unter Anmerkungen [22]. Als Bildgrundlage diente die Vorlage von A. Geyer [3, Bild 47]

Die Klosterkirche wird zum Dom geweiht
Am Pfinstsonntag 1536 wurde die Klosterkirche der Dominikaner mit Zustimmung des Papstes zum Dom geweiht. Damit war es möglich, eine größere religiöse Präsenz als in der Erasmuskapelle zu entwickeln.

Den Chorbereich, zu dem eine Treppe mit sechs Stufen führte, hatte Joachim II. auf 35,34 mNN (1351,5″) angehoben [11]. Daher hielt sich das Gerücht, daß Joachim II. hier, im Alten Berliner Dom, eine Gruft angelegt habe. Trotz intensiver Suche wurde diese aber nie gefunden. Denn die Gruft hatte Joachim II. ja in der ebenfalls als Dom bezeichneten Erasmuskapelle angelegt! Das war ein fatales Mißverständnis!

Im Rahmen der Weihezeremonie präsentierte er – wahrscheinlich in dem von ihm erhöhten Chorbereich – diejenigen Särge, die einst in der Grablege in Lehnin untergebracht waren [12]. Danach wurden sie in die Gruft der Erasmuskapelle überführt [13], wo später weitere Grablegungen (so auch die von Joachim II. selbst) stattfanden.

Insgesamt müssen in der Erasmuskapelle 12 Grablegungen stattgefunden haben. Allerdings wird die fehlende (1.) Katharina [12] in der „Genealogie des Gesamthauses Hohenzollern“ als „in Lehnin verblieben“ geführt. Daher sind es 11 Särge, die durch den Vergleich der Sarglisten und der Liste der Verstorbenen fehlen bzw. nicht auffindbar waren. So beschreibt es 1905 der Berliner Dom und Hofprediger Schniewind nach Annahme des Ministeriums des Königl. Hauses [1, 4)].

Bei den fehlenden Särgen handelt es sich um:
(1.) Katharina, Gemahlin v. Kfst. v. Brandenburg, Friedrich II. (+1476),
2. Johann Cicero, Kfst. v. Brandenburg (+1499),
3. Margarethe, Gemahlin v. Kfst. Johann Cicero v. Brandenburg (+1501),
4. Magdalene, Gemahlin v. Joachim II. Kfst. v. Brandenburg (+1534),
5. Joachim I., Kfst. v. Brandenburg (+1535),
6. Joachim, Sohn v. Kfst. Joachim II. v. Brandenburg (+1544)
7. Sophie, Gemahlin v. Johann Georg, Kfst. v. Brandenburg (+1546),
8. Elisabeth, Gemahlin v. Kfst. Joachim I. v. Brandenburg (+1555),
9. Georg Albrecht, Sohn d. Kfst. Johann Georg v. Brandenburg (+1557),
10. Joachim II., Kfst. v. Brandenburg (+1571),
11. Hedwig, 2. Gemahlin v. Kfst. Joachim II. v. Brandenburg (+1573),
12. Sabine, 2. Gemahlin v. Kfst. Johann Georg v. Brandenburg (+1575). Siehe auch Abb. 2.

Diese Särge waren trotz vieler Versuche nicht auffindbar: 1608 suchte Franc Hildesheim [1, 1)], 1625 Czernitz, auch 1660 bei der Einrichtung der Gruft im Hohen Chor in der Apsis des Alten Berliner Doms durch den Großen Kurfürsten wurde intensiv gesucht. Ferner wurde beim Abriß des Doms (1747/9) umfänglich nach den fehlenden Särgen gesucht und nochmals 1880 – neben den laufenden Kanalbauarbeiten – ohne Erfolg, trotz größter Anstrengungen. Diese Grabung fand unter dem Protektorat des Kronprinzen Friedrich Wilhelm statt. Im Resümee der umfangreichen und erfolglosen Untersuchungen formulierte man: Die gesuchten Särge befinden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Stätte ihrer ersten Beisetzung! – Leider leitete man daraus nicht die Möglichkeit einer Gruft in der Erasmuskapelle ab, wie es Abb.5 als Hinweis liefert.


Abb.5: Kurfürst Johann Georg von Brandenburg. (Miniatur von Zacharias Wehme / Stiftung Preußische Schösser/Gärten Berlin-Brandenburg / Wolfgang Pfauder)

Zum 10. Todestag von Sabine (1575+), der zweiten Gemahlin von Johann Georg wurde ihrer gedacht (Abb. 5). Das Bild läßt kaum einen Zweifel daran, daß Sabine in der Erasmuskapelle beigesetzt wurde: Johann Georg steht im Trauergewand neben dem Sarg (mit einer grünen Abdeckung). Seine linke Hand berührt ihn. Dahinter eine der 12 Säulen der Erasmuskapelle (Abb.4, 3-er Reihe), auf der das Jahr 1585 notiert ist und links unten im Bild der übliche, aus edlem Sandstein gefertigte Zugang zur darunter befindlichen Gruft, der geöffnet ist. Sollte das bedeuten, daß Johann Georg den Sabinschen Sarg als Ehrerbietung zum 10. Todestag aus der niedrigen Gruft hat holen lassen oder ist es nur eine fiktive Darstellung?

Mit diesem Vorgang wird offenbar das letzte Mal die Gruft in der Erasmuskapelle erwähnt. Zwar wurde mit der Grablegung von Sabine die Belegung der Erasmuakapelle abgeschlossen! Aber schon zwei Generationen später, als Franc Hildesheim im Jahre 1608 von Johann Sigismund den allgemeinen Auftrag einer Inspektion der Särge erhielt [1, 1)], wurden die Särge von z.B. von Johann Cicero, Joachim I. und Joachim II. vermißt. Erstaunlich ist, daß die Gruft in der Erasmuskapelle bereits schon 1608 in Vergessenheit geraten war!

Johann Georg ließ im Dom eine Gruft, die Fürstengruft, errichten
Als im November 1575 Sabine, seine zweite Gemahlin verstarb, gab es für sie nur noch einen Platz in der Erasmuskapelle, deren Belegung damit abgeschlossen war. Eine neue Gruft musste also errichtet werden. Das geschah im Chorbereich des Doms, der bereits von Joachim II. auf 35,34 mNN erhöht worden war. Man nannte sie „Fürstengruft“ (49,35 m2 [19]).

Das Tonnengewölbe (s. Abb.6) wurde mit einem 0,706 m starken Ziegelmauerwerk abgedeckt. Durch die Anhebung des Chorbereichs durch Joachim II. ergab sich eine Gewölbehöhe von 2,04 m (78″).


Abb.6 Grabung am Alten Berliner Dom (2008): Am Fuße der Treppe (vorne rechts im Bild) liegt die „Grundbene“ von 32,60 mNN. Hier im Vordergrund- im erhöhten Chor – befand sich die von Johann Georg errichtete, sogenannte Fürstengruft. Rechts vorn sieht man noch deutlich den Ansatz des Gewölbes und kann die Gewölbehöhe von 2 m erahnen. Im Hintergrund des Bildes saß die Gemeinde, unter deren Fußboden (34,32 mNN/1312,5″) sich die Grüfte des Adels befanden – mit ihren Rundbögen (Gewölbehöhe 1,02 m/39″). Foto: Harald Zimmermann

Beisetzungen in der Fürstengruft nach 1595
Nachdem 20 Jahre keine Todesfälle zu beklagen waren, verstarb 1595 Elisabeth Magdalena von Braunschweig. Sie kam als Erste in die Fürstengruft.

Auch die weiteren Särge, die in der Folgezeit dort hineinkamen, sind 1608 einer Inspektion vom Leibarzt Franc Hildesheim unterzogen worden [1, 1) + 12].

Bei dieser Inspektion fand man aber nur insgesamt 9 Särge:
1. Elisabeth Magdalena von Braunschweig, (+1595),
2. Joahnn Georg, Kfst. v. Brandenburg (+ 1598),
3. Joachim, Sohn v. Kfst. Joachim Friedrich (+ 1600),
4. Albrecht Friedrich, Sohn v. Kfst. Joachim Friedrich (+1600),
5. August Friedrich, Sohn v. Kfst Joachim Friedrich (+ 1601,
6. Catharina v. Brandenburg-Küstrin, Gemahlin v. Kfst. Joachim Friedrich (+1602),
7. Heleonora v. Brandneburg-Preußen, 2. Gemahlin v. Kfst. Joachim Friedrich (+ 1607),
8. Elisabeth von Anhalt, 3. Gemahlin v. Kfst. Johann Georg (+ 1607),
9. Joachim Friedrich, Kfst. v. Brandenburg (+ 1608).

Die Ernüchterung dürfte groß gewesen sein, denn es fehlten die Särge bedeutender Persönlichkeiten: Johann Cicero, Joachim I., Joachim II..

Die weitgehend leere Gruft wurde weiterhin benutzt. Weitere 11 Särge konnten dort noch untergebracht werden. Insgesamt handelte sich in der Fürstengruft also um 20 Särge.

1660 ließ der Große Kurfürst eine weitere Gruft im Dom errichten
Sie wurde in der stark erhöhten Apsis des Alten Berliner Doms, im Hohen Chor (37,38 mNN/1429,5″), eingerichtet, zu dem eine Treppe mit 12 Stufen [11] führte. Auch bei diesen Arbeiten fand man die fehlenden Särge nicht. Nachdem der Große Kurfürst beigesetzt war, kam als erster König Friedrich I. in die Gruft. Man nannte sie fortan die „Königsgruft“ (65,67 m2 [20]).

Die Aufbahrung von Königin Sophie Charlotte wird in Abb.7 gezeigt. Danach erfolgte die Grablegung in der Königsgruft. Auch von der Aufbahrung von König Friedrich I. gibt es einen weiteren Entwurf von Eosander (Hohenzollern Jahrbuch 4/1900, S.254).


Abb.7 Leichenzug-Prozession Königin Sofie Charlotte im Alten Berliner Dom (1705): Johann Georg Wolffgang / Stiftung Preußische Schösser/Gärten Berlin-Brandenburg / Daniel Lindner

Die Königsgruft, die 28 Särge enthielt, war 1744 „übervoll“, so daß ein einzelner Sarg ins sogenannte Burgdorffsche Gewölbe kam. In der Summe handelt es sich insgesamt also um 29 Särge.

Wegen Baufälligkeit mußte der Alte Dom abgerissen werden
Im Jahre 1745 begann eine neue Epoche: Man hatte Friedrich den Großen davon überzeugt, daß der Alte Dom wegen Baufälligkeit abgerissen werden muß. Daraufhin hat sich Friedrich zum Bau eines Neuen Doms entschlossen. Die Umbettung der Särge aus dem Alten Dom mußten vorbereitet werden. Dazu führte der Küster Schmidt eine Gruftbegehung und Bestandsaufnahme durch. Dabei unterliefen ihm drei Doppelzählungen, so daß er auf 52 Särge kam [14]. Tatsächlich waren es aber nur 49 Stück (siehe oben).

Die Umbettung der Särge in den Neuen Berliner Dom
Die Särge wurden im Dezember 1749 von Graf von Hacke in den Neuen Dom überführt. Auch waren Mitglieder des königlichen Hauses zugegen. Wegen der fehlenden, nicht auffindbaren Särge gab es große Verwirrung, so daß das Domkolleg 1770 den Küster Schmidt vernahm. Dabei legte er eine Spezifikation mit der bei der Überführung angelegten Sargaufstellung vor.

1817 – 1822 erfolgte die Umgestaltung des Neuen Doms durch Schinkel. Nach dem Hochwasser von 1828 und 1830 kamen die Gebeine aus den zerfallenen Holzsärgen 1843 in Holzkisten. Die Särge kennzeichnete man mit Emailletäfelchen [15]. 1905 wurde der durch Raschdorff gebaute jetzige Dom eingeweiht. Die Särge wurden in die neue Gruft gebracht.

Schlußbemerkungen

Um die verwirrende Situation zu verstehen, sind mühevolle Vergleiche der Sargverzeichnisse von den verschiedenen Grüften [16] und der Genealogieliste [17] erforderlich. Auch muß man sich die Höhenverhältnisse der Böden vergegenwärtigen, die durch deren Anhebungen in den jeweiligen Bauphasen des Komplexes von Schloß und Dom entstanden sind. Die Höhenbezüge (oder „Bezugslinien“) galten auch erstaunlicher Weise bei späteren Bauvorhaben. So wurde das Niveau der Schwelle des von Schlüter um 1700 geschaffenen Schlüterportals (VI) als Bezugspunkt (36,917mNN / 1411,5″) eingeführt und beim jetzigen Wiederaufbau benutzt.

Es war äußerst mühsam, „Ordnung“ in die Zusammenhänge zu bringen, weil die Sargzählungen in den verschiedenen Listen teilweise völlig ungeordnet waren. Jede Liste hat ihr System! Das gilt auch für die aktuelle Liste.

Verwirrend war auch die Bezeichnung „Dom“, denn es gab zunächst die Erasmauskapelle und dann noch den „Alten Berliner Dom“, einstmals Dominikanerkirche, beide als Dom bezeichnet. So bleibt es oft unklar, ob nun der Alte Dom oder die Erasmuskapelle gemeint ist! Das gilt auch für die neuere Literatur!

Anmerkungen

[1] Sargverzeichnisse:…1) Hildesheim, Franc: Electorum & Marchionum quorumdam Brandenburg, Berlin 1608, … 2) Czernitz, 1625 …3) 14. März 1770, Spezifikation (Dom.No.CXXVII Fol.1,2)…4) 1876, letztes Verzeichnis vom Präsidenten des preußischen Oberkirchenrates Hermes, vom Hof und Domprediger Schniewind im Jahr 1905 veröffentlicht (Gsta 19/a 590/2), Nummern entsprechen denen auf den Emailletafeln an den Särgen. Es fehlen 11 Nummern (nie vergeben): 1,23,25,35,36,37,41,42,43,44,46
[2] Genealogielisten: Großmann, Julius: Genealogie des Gesamthauses Hohenzollern, GSTA 14a13
[3] Geyer, Albert: Die Geschichte des Berliner Schlosses, Textteil S. 16
[4] Vahldiek, Hansjürgen: Siehe Beitrag „Projektion mittelalterlicher Befunde aus Köpenick auf die Berlin-Cöllner Spree“, Einleitung
[5] siehe Anm. 3, Bildteil Bild 10
[6] siehe Anm. 2 / Erbbegräbnis
[7] Die Örtlichkeit war bei den Grabungen von Dr. G. Sello (1876) nicht auffindbar. Er beschreibt u.a. eine Kapelle am Königshaus
[8] siehe Anm. 2 / Grablegung in Lehnin
[9] siehe Anm. 3 / Unter den angehobenen Böden befand sich standardmäßig ein 0,706 m starkes Mauerwerk als Abdeckung der Gruftbögen
[10] Historische Sammlung, Potsdam, PK2664,1
[11] Feldmann hat 1747 einen Plan vom Grundriss des „Alten Berliner Doms“ erstellt und dabei die 6 bzw. 12 Stufen angegeben
[12] Katharina wurde in Lehnin beigesetzt. Ihr Sarg fehlt. Er dürfte bei der Überführung (1536) mit den anderen Särgen aus Lehnin nach Berlin in die Erasmuskapelle gekommen sein.
[13] siehe Anm. 6
[14] 1747, Dom.no.Xv Vol. 2 Fol 45
[15] siehe Anm. 1:…3)
[16] siehe Anm. 1:… 1) bis 3)
[17] siehe Anm. 2
[18] Maße der Joachimschen Gruft (Erasmuskapelle): 5,62 m / 215″ * 8,11 m / 310″
[19] Maße der Fürstlichen Gruft: a) 5,62 m / 215″ * 4,84 m / 185″ und b) 4,58 m / 175″ * 4,84 m / 185″
[20] Maße der Königlichen Gruft: 7,85 m / 300″ * 8,37 m / 320″
[21] Hohenzollernjahrbuch 1904, Berlin-Leipzig / Die älteste Geschichte des Domstifts zu Cölln-Berlin GSTA 14a 10 >
[22] Eingeweihte konnten nun zwischen den Säulen – im Bewußtsein der darunter liegenden Vorfahren – wandeln. Die Anordnung der Särge (Entwurf Harald Zimmermann) in der üblichen Folge (Regent, Gemahlin, Kind). Aus der Liste „der fehlenden 12 Särge“ wurden die Nummern übernommen:
# In der 5-er Reihe befinden sich 4 Särge aus Lehnin:
(1.) Katharina, Gemahlin v. Kfst. v. Brandenburg, Friedrich II. (+1476)
(2.) Johann Cicero, Kfst. v. Brandenburg (+1499),
(3.) Margarethe, Gemahlin v. Kfst. Johann Cicero v. Brandenburg (+1501)
(5.) Joachim I., Kfst. v. Brandenburg (+1535)
(8.) Elisabeth, Gemahlin v. Kfst. Joachim I. v. Brandenburg (+1555)
# In der 4-er Reihe geht es um Kfst. Joachim II.:
(10.) Joachim II., Kfst. v. Brandenburg (+1571)
(4.) Magdalene, Gemahlin v. Joachim II. Kfst. v. Brandenburg (+1534)
(11.) Hedwig, 2. Gemahlin v. Kfst. Joachim II. v. Brandenburg (+1573)
(6.) Joachim, Sohn v. Kfst. Joachim II. v. Brandenburg (+1544)
#In der 3-er Reihe geht es um Angehörige von Kfst. Johann Georg:
(7.) Sophie, Gemahlin v. Johann Georg, Kfst. v. Brandenburg (+1546),
(12.) Sabine, 2. Gemahlin v. Kfst. Johann Georg v. Brandenburg (+1575)
(9.) Georg Albrecht, Sohn d. Kfst. Johann Georg v. Brandenburg (+1557)
[23] Zur Vereinfachung übergeht die Prinzipdarstellung die notwendige statische Abstützung der Hauptsäulen